Interview: Bernhard Hinterberger PDF 
Geschrieben von: Benjamin Wiedenhofer   
Montag, 19. Dezember 2011 um 12:00 Uhr

Kaum einer hat das Cable Wakeboarden international über die letzten gut 15 Jahre so geprägt wie Bernie Hinterberger. Unzählige Deutsche Meisterschaften, Europameister-Titel und Weltmeisterschaften, darf er sich genauso in die Vita schreiben, wie Tricks die er erfunden hat. Das geht so weit, dass sogar ein Invert seinen Namen trägt. Nun ist es etwas ruhiger um den gebürtigen Oberaudorfer im südlichsten Bayern geworden. Dass er aber nach wie vor präsent ist und was er so treibt, könnt ihr hier im Interview erfahren, das wir ja vor einigen Wochen schon angekündigt hatten.


Name: Bernhard Hinterberger
Alter: 29
Wohnort: Hamburg
Homespot: Pinneberg, Kiefersfelden
Sponsoren: Billabong, Ronix, Gloryfy, Reef, ProTec, Troyan Gloves, Skullcandy

 

Servus Bernie. Auch wenn Deinen Namen jeder der sich ein bisschen mit Wakeboarden auseinandergesetzt hat kennt, erzähl uns ein paar einleitende Sätze über Dich. Und da sind ausnahmsweise mal nicht Deine zahllosen Titel gemeint, weil wir die eh schon im Intro erwähnt haben.

Bernie: Ja danke für die Blumen. (grinst) Nun ja, ich habe 1995 mit einem Skurfer das Wakeboarden begonnen und war damit einer der ersten hierzulande. Erst habe ich nur einen Sommerausgleich zum Snowboarden gesucht aber irgendwie hat mich diese unglaubliche Sucht gepackt und das bis heute. Erst ging es mir nur darum immer mehr neue Tricks zu lernen, dann kamen die Contests dazu und die haben mich noch weiter angetrieben. Dies habe ich dann auch dreizehn Jahre voll ausgelebt, die Welt bereist und viele neue Leute kennengelernt. Nach und nach wurde ich dann von Verletzungen etwas gebremst und auch der Spaß hatte nach so vielen Jahren „on the road“ etwas nachgelassen. Man wird halt doch älter! (Grinst: Habe ich das wirklich gerade gesagt?). Außerdem habe ich durch die vielen neuen Bekanntschaften auch andere Dinge rund ums Wakeboarden entdeckt die ich gerne mache.

 

Ein bisschen hast Du es schon angeschnitten. Du bist gefühlt seit 1860 (wer merkt die Anspielung?! ;) ) im Wake-Biz. Nun ist es aber im vergangenen Jahr deutlich ruhiger um Dich geworden. Was ist der Grund? Ziehst Du Dich langsam vom aktiven Contestfahren zurück?

Bernie: Ja ich bin schon sehr lange dabei und irgendwie sind die Jahre doch super schnell durchgezogen. Verletzungen machen viel aus und sind auch ein Grund warum ich mich die letzten Jahre mehr zurückhalten musste. Nach einer großen und langwierigen Verletzung hat man ein ganz anderes Bild von seinem Körper und was so alles passieren kann. Das glaubt man natürlich auch immer erst wenn es soweit ist. Auch diesen 4-8 Stunden Flughafen Sessions und Langstreckenflügen konnte ich nicht mehr so viel abgewinnen nach so vielen Jahren "dauerunterwegs".

Aber der Hauptgrund für dieses Jahr war natürlich mein neuer Job bei den Telekom Extreme Playgrounds in Hamburg. Dort kümmere ich mich nicht nur ums Wakeboarden in Hamburg sondern auch ums Skateboarden für die Playgrounds in Berlin. Da kommt dann schon was zusammen über den Sommer, wenn man alles für diesen riesen Haufen verrückter Extremsportler organisieren muss. Zudem habe ich diesen Sommer ein neues Obstacle für die Playgrounds in Pinneberg gebaut und das war auch sehr zeitaufwendig.

Grundsätzlich ziehe ich mich vom Profi-Business und den Contests noch nicht ganz zurück. Noch bin ich zu heiß aufs boarden und natürlich will ich auch ab und zu mal den jungen Hüpfern zeigen wo der Bartl den Most holt! Im Moment suche ich mir einfach die „Cherries“ raus. Aber ich bleibe dem aktiven Sport schon noch ein paar Jahre erhalten.

 

Hehe. Du sagst gerade, dass Du den jungen noch ab und an zeigst wo es langgeht. Das funktioniert zweifelsohne, aber die Zeit kann man halt auch nicht anhalten. Ist es schwierig als einer der besten zu sehen wie die jungen - verzeih es mir - auf einmal besser und berühmter sind als Du? Ich denke da an Jungs wie Fred, Nikki und Nico für die Du früher sicher auch eine Art Idol warst.

Bernie: Ja das ist definitiv nicht leicht wenn die Young Guns einen überholen. Wer sich aber noch erinnert: es war mal so dass wir Jahre lang auf guten Nachwuchs gewartet haben und nichts kam. Seit ein paar Jahren haben wir jetzt den Luxus, dass der gute Nachwuchs wie verrückt aus dem Boden sprießt.

Anfangs war es definitiv hart zu sehen wie die Kids einen überholen und der Körper nicht mehr so will wie der Kopf es gerne hätte. Aber ich bin sehr froh, dass wir jetzt diese Fülle an neuen Talenten haben und wie sich schon wieder die nächste Generation herauskristallisiert. Das ist einfach die Entwicklung die wir brauchen, damit die Evolution des Wakeboardens weiter geht. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass die „kleinen Jungs“ von einst jetzt die großen Pros sind und den Sprung geschafft haben. Mit Papas guter Erziehung natürlich! (lacht)

 

Deine Aufgaben bei den Telekom Extreme Playgrounds haben wir auch schon angesprochen. Du hast viel erlebt in Deiner Karriere, kannst Du das jetzt in Deinem neuen Job hinter den Kulissen einbringen?

Bernie: Ja absolut. Das macht es auch aus denke ich. All die Erfahrung, Connections und das gesamte Netzwerk ist einfach ein unbezahlbares Gut das mir einige Türen geöffnet hat. Allerding muss man auch sehen dass es mehr als 10 Jahre gedauert hat um all dies aufzubauen. Es ist definitiv schwer in einen „normalen“ Job einzusteigen wenn man 10 oder mehr Jahre als Profi die Welt bereist hat. Man muss sich auf dem Weg als Profi entscheiden und den richtigen Absprung finden. Es gibt so viele Sachen die man rund ums Wakeboarden machen kann.

Früher war Bernie selbst bei den Telekom Playgrounds am Start (hier 2009 mit seinem legendären Jackson-Slide) - jetzt agiert er im Hintergrund

Bekanntlich bist Du kein großer Fan von Verbands-Organisationen. Andererseits hast Du auf eben deren Events viele Deiner Titel gewonnen. Wie kommt es zu Deiner Kehrtwende und was stört Dich?

Bernie: Grundsätzlich habe ich nichts gegen Verbände. Also der Grundgedanke solcher Organisationen ist auch in meinem Sinne. Doch wie wir alle wissen läuft es nicht immer so rund. Und das nicht nur im Wakeboarden. Beim Snowboarden kämpft man mit ähnlichen Problemen. Das Hauptproblem ist, dass die uns etwas aufzwingen was wir gar nicht sein wollen. Wir sind Funsportler und keine Leistungssportler! Das Vergessen manche sehr gerne. Im Skateboarden gibt es diese Probleme zum Beispiel nicht.

Dass ich meine Titel bei deren Events gewonnen habe ist richtig, aber es gab zu dieser Zeit nichts anderes und so musste man sich halt beugen. Aber dem ist heute nicht mehr so! Durch eine weitere weltweite Organisation gibt es nun Konkurrenz und die hat einiges getan in den letzten Jahren. Dies heißt aber nicht, dass diese perfekt ist. Alle haben ihre Fehler und es ist noch ein langer und harter Weg bis wir alle an einem Strang ziehen!

 

Meckern kann jeder. Wir wollen auch konstruktive Kritik. Was könnte oder sollte man besser machen?

Bernie: Das aller wichtigste ist dass die erst mal klar kommen auf unser Rapperleben. (grinst)

Am aller wichtigsten wäre dass es wieder eine anständige Deutschland Tour gibt auf der sich alle gerne treffen und man zusammen gute Parties und Contests erlebt. Dabei ist es wichtig dass es auch eine echte Deutschland Tour ist und nicht nur 2-3 Stops an immer den selben Cables. Es müssen gute Cables sein mit guten Obstacles und freundlichen Betreibern die wirklich was tun wollen fürs Wakeboarden. Hier sollte vielleicht die Kommunikation mit den Ridern besser sein die ja auch immer irgendwo Locals sind und dann die Connection zu den Betreibern herstellen. Im Allgemeinen fehlt die Kommunikation mit den Ridern. Auch eine gute Europa Tour erachte ich als viel wichtiger als eine schlampige World Tour. In Europa findet immer noch das beste Wakeboarden am Cable statt und das muss mit einer Tour gefördert werden. Wenn die Szene in den USA einmal angefangen hat eine richtige Tour auf die Beine zu stellen, werden viele Europa den Rücken kehren.

Bernie war kürzlich bei den WWA Wake Park World Championships in Abu Dhabi mal wieder selbst bei einem Contest aktiv

Das ist ja schon mal guter Input von jemandem, der das alles lange live miterlebt hat. Hoffentlich verstehen es die Verantwortlichen als eben solchen und nehmen es nicht persönlich, denn darum geht es nicht. Der Sport soll weiterkommen. Da sind wir schon beim nächsten Thema: siehst Du Wakeboarding als einen Sport der vielleicht 2020 bei der Olympiade dabei ist oder sein sollte?

Da wir uns mit Baseball, Klettern, Wushu, Rollersports, Karate und Squash um den freien Platz bei Olympia battlen und deren Lobbies um einiges größer sind als beim Wakeboarden, denke ich sieht es nicht so gut aus. Zudem kommt noch dazu das Wakeboarding von einem Motor abhängt und kennt einer eine Sportart bei den Olympischen Spielen die mit Motor angetrieben wird? Wettkämpfe müssten dann auch genormt sein: die Obstacles, der Parcours, die Leinenlänge usw. Und ihr glaubt ja wohl nicht dass die uns da fragen wie wir es haben wollen.

Natürlich sehe ich, dass die Olympischen Spiele der höchste Wettkampf ist den es gibt! Und auch unglaublich viel an Geld und Medienpräsenz dranhängt. Aber passt da Wakeboarden wirklich rein? Ich denke es könnte viel zerstören und man sieht ja auch im Snowboarden wie sich das alles auf einen Sport auswirken kann. Nun ist aber Snowboarden ein wirklicher Breitensport und etwas robuster als die Wakeboardwelt. Man hat ja schon bei den World Games in Duisburg 2005 gesehen, dass Wakeboarden ein Teil bei solch großen Veranstaltungen sein kann und gerne von den Medien angenommen wird, aber dann beim nächsten Mal einfach wieder wegfällt. Es ist also eine Schwierige Sache.

 

Die Gedanken klingen nachvollziehbar. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt. Vielleicht gibt es ja andere Formate die besser zu unserem Sport passen? München bewirbt sich zum Beispiel um die X Games. Das wäre vielleicht so eine Bühne?! Wenn wir schon bei Wettkämpfen sind: Du hast zahllose Contests besucht, was waren rückblickend Deine Top 3? Und dabei geht es weniger um die Platzierung, als um den Event an sich.

Bernie: Puh das ist schwierig und ich kann es auch definitiv nicht auf drei beschränken. Man kann es eher auf die „gute alte Zeit“ und die „Neuzeit“ einteilen. Früher gab es die German Wakeboard Tour. Das war der erste große Meilenstein des Wakeboardens hierzulande. Es gab 5-6 Stops und es kamen immer alle zusammen und haben am Freitagabend wildest abgefeiert. Samstag sind wir dann alle Contest gefahren - in meist fragwürdigem Zustand. (grinst wieder) Es ging einfach ums zusammenkommen und die Sau rauslassen. Auch eine richtige EuroTour gab es und es lief nach dem selben Schema ab. Doch leider verschwanden diese Serien und wurden bis heute nicht wirklich ersetzt. Dann fing es langsam an das Contests zu richtigen Events wurden wie z.b. die Wakeboard Open am Jetlake in Feldkirchen, die zum ersten Mal ein Festival aus einem Wakeboard Contest machten. Die 4 Elemente in Wörth waren wieder eine neue Art Event durch die Kombination mehrerer Sportarten. Die Playstation Wake Challenge in Langenfeld war auch einer der ersten großen Events. Die World Games in Duisburg waren eine ganz neue Erfahrung und all diese Events zeigten schon sehr früh was alles möglich ist.

Dann begann eine neue Zeit mit Events wie Red Bull Upstream oder Wake the Line. Auch das Red Bull Thermal Dual in Budapest ist einer meiner Favorites. Durch Winch und System-2.0 haben sich einfach ganz neue Möglichkeiten aufgetan. Und auch die Telekom Playgrounds zeigen seit nun schon fünf Jahren wie man Top Wakeboard Contests gestalten kann. Es tut sich einiges und ich bin sehr froh jetzt ein gestaltender Teil dieser Bewegung zu sein. Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg.

 

Da sind ja wirklich schon fast "historische" Events dabei. Aber man sieht, dass der Sport sich in allen Bereichen verändert. So auch was das folgende angeht: mittlerweile gibt es einige deutsche Shredder die ihr Geld tatsächlich als Profis verdienen. Du warst vielleicht einer der ersten hierzulande. Kannst Du den Jungs aus Deiner Erfahrung etwas mit auf den Weg geben und was sagst Du zu denjenigen, die vielleicht dieses Ziel anstreben?

Bernie: Ja und es war ein harter Kampf am Anfang. Aber mittlerweile ist es um einiges besser geworden, was aber nicht heißt das es leicht wäre als Profi-Wakeboarder seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Mittlerweile sind die Preisgelder höher und auch einige Firmen haben sich sehr gut im Wakeboarden verankert und unterstützen ihre Teamrider mit Reisekostenzuschuss und Finanzspritzen. Allerdings geht das alles nur wenn man wirklich an der Weltspitze mitfährt. Die Wakeboard Welt ist klein und man muss um alles kämpfen. Aber wo muss man das nicht…

"The Machine" beim Gloryfy Shooting - checkt hier auch den Clip dazu: Video auf Vimeo

Du warst - und bist vermutlich immer noch - eine echte Invert- und Kickermachine. Daher vielleicht auch Dein Nickname "The Machine"? Wie kam es zu Deinem Spitznamen?

Diesen Spitznamen habe ich irgendwann um die Jahrtausendwende bekommen, Klingt gut, oder?! (grinst) Der hat damals auch bestens gepasst da ich einfach nur auf dem Wasser war und andauernd Gas gegeben hab. Aufgebracht hat ihn damals Wolfgang „Didi“ Dittrich - der erste Profi-Speaker im Wakeboarden. Bei Contests hat er meistens gesagt: „und die Maschine läuft wieder“. (lacht) Dann kamen einige Verletzungen und ich musste etwas langsamer machen. Mittlerweile gehört „The Machine“ als Spitzname auch der Vergangenheit an denke ich. Die Ablösung ist schon im Umlauf! (grinst wieder)


Stimmt, den neuen Spitznamen hast Du von Daniel Grant bekommen, der noch nichtmal auf der Welt war, als Du schon gerockt hast. Da sieht man wie lange Deine Karriere schon anhält, aber auch wie gut der kleine schon in jungen Jahren ist. Schön langsam kommen wir zum Ende. Was werden wir in den nächsten Jahren von und über Bernhard Hinterberger zu hören bekommen?

Bernie: Einiges! Ich habe viel vor und bin immer für neue Schandtaten bereit. Natürlich liegt der Fokus jetzt nicht mehr beim Contest gewinnen sondern mehr auf Sachen rund ums Waken. Im Frühjahr werde ich erst mal wieder zum Thai Wake Park fliegen um die alten Knochen fit zu halten. Dann habe ich noch ein paar super Video- und Foto-Projekte auf dem Plan, aber vor allem natürlich das organisieren der Telekom Playgrounds und von anderen Events. Zudem arbeite ich jetzt verstärkt bei Billabong und kümmere mich um das Europe Wake Team. Es ist also viel los und es wird sich einiges tun nächstes Jahr bei mir. News und Updates gibt es immer auf meiner neugestalteten 2012er Homepage: www.Bernhard-Hinterberger.com

Bernie rockt beim Rope Bash in Schwandorf 2009 - solche Fotos und Videos von krassen Aktionen soll es auch in Zukunft von Bernie geben - keep 'em comin'!

Wir sind gespannt. Dann mal von unserer Seite viel Erfolg. Hast Du noch ein paar abschließende Worte?!

Bernie: Ich denke ich habe genug gesagt! (grinst wieder)

 

Alles klar. Dem haben wir dann eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Wir freuen uns, dass Du dem Sport auch jetzt, wo Du nicht mehr auf jedem Contest dabei bist erhalten bleibst und sind sicher, dass durch Deine Erfahrung an einigen Punkten wichtige und richtige Impulse stattfinden können. Danke für Deine Zeit und und den Einblick in Deine lange Karriere. Rock on, Papa Schnitzel!



Interview & Text: Benjamin Wiedenhofer
Bilder: Sautner Foto, Rob Corum & Benjamin Wiedenhofer
 
 
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